Pressebericht OZ, 2. Juli 1998

    "Vier Jungs aus Franzburg und Richtenberg ließen ihrer Kreativität per Spraydose freien Lauf, Graffiti-Premiere am Kombimarkt"

    Richtenberg.
    Schüchtern schauen sich Michael Spindler und Sebastian Scheil ihr Werk an der ehemals weißen Kombimarkt- Wand an. Für ihre Graffiti-Premiere haben sie sich ein Ufo ausgedacht und auch vorher aufs Papier gebracht. "Als wir dann anfangen wollten, haben wir doch noch etwas verändert, vor allem bei den Farben", erzählen die beiden Jungs der 9. Klasse der Richtenberger Hauptschule. Sie kamen durch ihre Direktorin zur für sie völlig neuen Freizeit- beschäftigung mit der Spraydose. Auf jeden Fall sind die beiden Schüler,die im nächsten Jahr erst einmal die 10. Klasse und danach eine Lehre als Koch bzw. Kfz-Mechaniker machen wollen, auf den Geschmack gekommen, würden gern andere Sachen ausprobieren. Etwas mehr Erfahrung haben hingegen Helge Gruner (11. Klasse) und Jens Rumpoldin (9. Klasse) vom Franzburger Gymnasium. Sie haben sich vor der Gestaltung am Kombimarkt schon in der benachbarten Jugendbildungsstätte ausprobiert. Außer- dem statteten sie Kursen und Kunstwerkstätten einen Besuch ab. "Wir haben auch einen Entwurf erarbeitet. Zum Beispiel die Flasche, die jetzt zu sehen ist. Doch beim Sprühen fällt einem noch was Besseres ein, und dann wird eben improvisiert", erzählt Helge, der sich später einmal der Kunstpsychologie verschreiben möchte. Unterdessen zückt Jens schon wieder die Sprayflasche - übrigens die letzte - ,um den französischen Schriftzug "A Votre Sante e Prost" (Auf Dein Wohl und Prost) aufzupeppen. "Wir haben an zwei Tagen insgesamt fünf Stunden an der Fläche gearbeitet. Jetzt sind die Farben alle. Wir brauchen also Nachschub.", gibt Jens, der übrigens freischaffender Künstler werden möchte und die verschiedenen Farbtöne ausgesucht hat, zu verstehen. Da das Lack- Spray zwei- bis dreimal aufgetragen wird, um ein ebenso leuchtendes wie haltbares Bild an die Wand zu bekommen, waren die 20 Büchsen schnell leer.
    "An der Farbe soll ´s nicht liegen. Wir sorgen für die nächste Lieferung, damit die Jungs ihr Werk fertig bekommen", verspricht Fleischermeister Karlheinz Zahlmann, Initiator und Sponsor der bisher einmaligen Aktion im Amtsbereich. "Ich finde es einfach toll, dass sich hier junge Leute ´was Vernünftiges ausgedacht haben. Und das unterstütze ich dann auch. Außerdem ist endlich die verschandelte Wand verschwunden", so Karlheinz Zahlmann gestern gegenüber OZ. Sein Wunsch: "Vielleicht folgen ja noch mehr Gewerbetreibende dieser Idee. Ich finde, man kann nicht immer nur meckern. Die jungen Leute brauchen auch eine Chance."

    (von Ines Sommer, OZ, 2. Juli 1998)